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19 | 09 | 2017

 

Ich habe Gott verloren...

 

Rudolf Will, 74
Ich habe eine Frage:
Könnte es sein, dass Gott ein Name ist für eine Macht, die im Altertum selbstverständlich war. Heute aber - im Zeitalter der Naturwissenschaften können wir vieles erklären ohne diese Macht. Ist Gott nicht eine "überholte" Vorstellung?

Frage 2: Hat es je eine direkte Offenbarung Gottes gegeben?
Ich werde mich freuen, wenn ernsthaft auf diese 2 Fragen kompetent eingegangen würde. Ich bitte dann um Nachricht an meine Email Anschrift.

Recht freundliche Grüße, Rudolf Will.


Lisa, 45
Darf Gott all seine Versprechen brechen? Wie lange schaut Gott zu, wie ein Mensch der immer fest an ihn geglaubt hat, zerbricht? Den gütigen Gott gibt es nicht, das ist mir zur Gewissheit geworden. Dadurch ist mein Leben restlos durcheinander gekommen, hat eigentlich seinen tieferen Sinn verloren. Ich habe auch meine Kinder im Glauben erzogen, doch was soll ich ihnen jetzt noch vermitteln? Der Gott, an den ich geglaubt habe, würde mir zur Hilfe kommen, würde sich wieder spüren lassen, aber trotz meiner Gebete hat er kein Erbarmen. Ich bin unendlich traurig.


Die Antwort von Bernhard Riedl:

Liebe Lisa,
Ihre Mitteilung hat mich erschüttert. Sie klingt nach Verzweiflung, nach wirklich "dunkler Nacht der Seele", nach Hiobs-Erfahrung, nach Trostlosigkeit. Und tatsächlich habe ich auch keinen Trost und keine Antwort auf Ihre Fragen, die mir tragfähig erscheint, keinen Rat, nur die Zusicherung meiner Verbundenheit, meiner Sym-pathie in Ihrer Traurigkeit und meinen Wunsch, dass diese Traurigkeit vielleicht doch nicht unendlich, sondern endlich sein möge. Dass es jemanden gibt, der Ihnen in dieser Traurigkeit nahe ist und hoffentlich einen Schimmer in diese Dunkelheit zu werfen vermag - durch seine Nähe, sein Dasein, sein Zuhören, seine Treue und sein Mittrauern.

Herzlichst - Bernhard Riedl

 

Die Antwort von Werner Höbsch:

Leidvolle Erfahrungen führen dazu, dass manche ihren Glauben verlieren. Das Leben wird durch diesen Verlust aber oftmals nicht einfacher. Als kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die verantwortlich sind für diese Seite, können wir die Wunden vielleicht nicht heilen, aber - wenn gewünscht - ein Gespräch anbieten. Das wollen wir nicht unversucht lassen.

Werner Höbsch


Henriette Schnibelwitz, 18
Seid meiner frühsten Kindheit bin ich mit dem Glauben an Gott aufgewachsen.
Er leitete mich durch die Schluchten der Verzweiflung und über die Bergkuppen der Freude und Lust!
Auf jeden seiner mir anvertrauten wege lernte ich die Liebe zu schätzen, die mir Gott gegenüber aufbrachte, die Liebe, die alle gott gläubigen Menschen mir entgegen brachten so wie mit meiner eigenen Liebe, die ich in die Welt hinaus schickte umzugehen.
Doch vor nicht all zu langer Zeit, kam der TAg, an dem mein Weltbild zerrüttelt wurde. Mir, einen der Gott gläubigsten Menschen auf Erden, wurde kalt herzig mir die Liebe Gottes entzogen, mit feingliedrigen Fingern zogen sie es mir mit aller Gewalt aus der Brust.
Ich, der nie an Gottes Taten zweifelte, wurde mit unfassbarem Liebesentzug Gottes bestraft.
Ich konnte mir keiner falschen tat bewusst werden und wurde dennoch von ihm enttäuscht und verlassen.
Ich möchte noch mals zu tiefts betonen, wie sehr ich enttäuscht wurde.
Ich habe Gott verloren...


Markus Broscheid, 36
Ich bin katholisch erzogen worden und war auch viele Jahre in diversen Institutionen innerhalb meiner Heimatpfarrgemeinde aktiv.
Im Nachhinein habe ich den Eindruck gewonnen, dass ich die dortigen Geschehnisse (Gottesdienste, pastorale Gespräche etc.) persönlich ernster genommen habe als meine sogenannten "Mitchristen". Ich hatte immer Probleme damit, wie diametral entgegengesetzt die Botschaften der Kirche doch dem eigentlich weltlich geprägten Leben entgegenstanden und litt darunter, wie schwer sich das mit meinem eigenen Leben vereinbaren ließ und wie wenig Probleme damit offenbar meine "Mitchristen" hatten.
Mein religiöses Gefühl gipfelte 1995 in einer von fremdamnamistischer Seite diagnostizierten paranoiden Schizophrenie, die zwar nicht ihren Ursprung aber doch eindeutig ihr Ziel in einem manifesten religiösen Wahn hatte. Meine darin gemachten Erfahrungen, die sehr intensiv waren, wurden von den Psychiatern als völliger Schwachsinn abgetan, und ich wurde über die Behandlung mit Psychopharmaka wieder der Realität zugeführt.

Heute glaube ich, dass man in früheren Zeiten (Antike, Mittelalter)unerklärliche psychische und auch physische Phänomene Gott oder einem Wunder zuschrieb, während heutzutage derartige Phänomene wissenschaftlich erklärbar sind oder auf einem psychischen Defekt beruhen. Stellen Sie sich doch bitte einmal vor Jesus würde in der heutigen westlichen (in archaisch geprägteren Gesellschaften wie etwa Iran würde er möglicherweise noch gesteinigt) Welt behaupten wollen, er könne ohne Gefahr für Leib und Leben über den Rhein spazieren. Er würde höchstwahrscheinlich wegen Eigengefährdung in die nächste Psychiatrie eingeliefert werden. Er würde auf keinen Fall gekreuzigt werden, da in unserer westlichen (europäischen) Welt die Todesstrafe abgeschafft worden ist und auch für noch so jede abstruse Glaubensrichtung Religionsfreiheit herrschen würde. Auch sogenannte Visionen von Jesus oder anderen Heiligen würden heutzutage als akkustische oder optische Halluzinationen abgetan. Haben Sie sich eigentlich auch schon mal die Frage gestellt, warum es heutzutage keine Heiligen und Propheten mehr gibt? Ich meine Heilige mit Wundertaten und allem drum und dran und nicht so eine Person wie Mutter Theresa, die ein aus Gottesglauben gespeistes soziales Engagement an den Tag legte.

Bei Jesus war es normal, wenn er Gottes Stimme hörte. Wenn allerdings heute einer Gottes Stimme hört, gilt er als psychisch krank.
Aber warum sollte es nicht möglich sein, Gottes Stimme zu hören, wenn es ihn tatsächlich gäbe?


Anonym, männlich, 24
Ich bin Atheist in dem Sinne das ich nicht an Gott glaube. Ich bin, obwohl in der DDR geboren, ein Exchrist. Ich möchte hier in kürze meinen atheistischen "Werdegang" darlegen um zu zeigen, Atheist wird man nicht urplötzlich, sondern in einem ziemlich langwierigen Prozess, ich würde schätzen bei mir hat es ungefähr 14 Jahre gedauert. Die frühkindliche Indoktrination lässt sich nur sehr schwer abschütteln, da mit dem christlichen Glauben viele Emotionen verbunden sind, vor allem das Gefühl der Glaube ist war. Die Bezeichnung frühkindliche Indokrination klingt wieder so typisch atheistisch überheblich, aber ich denke, dass die Wirkung insbesondere auf die Bindung an den Glauben nicht unerheblich auch damit zusammenhängt, dass man mit diesen schon seit frühester Kindheit in Kontakt gekommen ist und von seinen wichtigsten Bezugspersonen die Richtigkeit dieses Glaubens bestätigt bekam, die Eltern sind so etwas wie familiäre Missionare. Außerdem möchte ich noch darauf eingehen was mir heute ohen Gott eine Orientierung in meinem Leben gibt.

Mit der Institution Kirche hatte ich eigentlich schon immer meine Probleme. Da meine Eltern diese auch hatten und mir erklärten, was die sagt hat nicht unbedingt etwas mit Jesus zu tun, da diese Institution von Menschen geleitet sei, sei sie natürlich fehlerhaft. Für mich war dieses Denkschema kein Problem. Ich hatte es so erzählt bekommen und bei meinen Eltern ging ich davon aus, dass sie wussten wovon sie sprechen. Wir sind sehr regelmäßig in die Kirche gegangen und manchmal sind meine Bruder und ich auch alleine in die Kirche wenn wir zur Frühmesse Messdiener waren. Insgesamt würde ich sagen verbrachte ich mit der Kirche eine ganz schöne Zeit und habe eine Menge schöner Erlebnisse und interessanter Menschen in dieser Zeit erlebt. Ich gehöre also nicht zu der Gruppe die Atheisten wegen schlechter Erfahrungen mit Christen wurden Das erste Mal wo ich Probleme hatte war mit der Erstkommunion, weil ich da auch zum ersten Mal die Beichte abgelegt habe. Ich hatte das Problem, dass ich gar nicht wusste was ich beichten sollte. Ich habe mir dann irgendetwas aus den Fingern gesaugt. Mein Bruder hat sogar gebeichtet, dass er Hostien einfach so gegessen hat, was erwartungsgemäß einen Anschiss vom Pfarrer nach sich gezogen. Ich habe das mit meinem Bruder meistens zusammen gemacht, das Hostien essen, allerdings habe ich es aus nahe liegenden Gründen nicht gebeichtet, allerdings muss ich gestehen ich habe mit dem Gedanken gespielt es zu beichten, da mir einfach nichts einfiel was ich beichten sollte, trotz mehrfacher Gewissenserforschung, ich glaub so hieß es. Was die sonstige Vorbereitung zur Erstkommunion anging, glänzte ich bei den Glaubensdingen wohl eher mit grandioser Unkenntnis, die wohl hauptsächlich auf meinem Desinteresse für solche Sachen gründete. Ich glaube ich war zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht reif dafür. Was eine bewusste Entscheidung meinerseits sein sollte, war wohl eher eine bewusste Entscheidung meiner Umgebung. Die Gebete und das was wir im Kommuniongottesdienst sagen sollten lernte ich einfach auswendig, ich glaube eine ziemliche Motivation die Erstkommunion durchzuziehen war auch die Aussicht auf Geschenke. Das Lernen war auch insofern leicht zu ertragen da die Atmosphäre im Vorbereitungskurs sehr angenehm war.
Als dann mit der Firmung zum zweiten Mal eine bewusste Entscheidung für den Glauben an stand, wollte ich mich diesmal etwas gründlicher vorbereiten, vor allem wollte ich, bevor ich mich zum Firmkurs anmeldete zumindest wissen, was die Firmung denn bedeutet. Wofür entscheide ich mich wenn ich mich firmen lasse. Diesmal sollte es auch wirklich eine bewusste Entscheidung werden. In meinem Kommunionbuch war auch gleich der Abschnitt für die Firmung mit drin. Was ich dort las machte mich als kirchenkritischen Menschen doch misstrauisch. Es sollte nicht wie meine Eltern mir erzählten nur eine Entscheidung zum Glauben sein, denn der Text den ich bei der Firmung aufsagen würde, würde auch ein Bekenntnis zur katholischen Kirche und zur Gemeinschaft der Heiligen umfassen. Insbesondere mit dem Bekenntnis zur katholischen Kirche war ich natürlich nicht einverstanden. Ich konfrontierte meine Eltern mit dem, was ich da gelesen hatte. Sie sagten mir einfach das stimme nicht es sei nur eine Bekräftigung des christlichen Glaubens. Ich habe es daraufhin nochmal nachgelesen. Hier hatte ich das erste Mal Zweifel daran ob meine Eltern über ihren Galuben Bescheid wissen. Auf jeden Fall setzte ich erstmal so eine Art Firmungsmoratorium in Kraft, um mir in Ruhe darüber klar zu werden was ich davon halten soll. Meine Eltern akzeptierten die Ablehnung zwar nicht widerspruchslos, da die Firmung aber eine bewusste Entscheidung sein sollte ließen sie mich dann doch gewähren. Da für mich aber der Glaube keine zentrale Rolle mehr in meinem Leben spielte eilte es nicht. Das Thema Glauben und Firmung dümpelte so vor sich hin. Ich war zwar Mitglied der Kirche, aber wirklich praktische oder sonstwie für mich relevante Bedeutung hatte das alles nicht. ich würde sagen ich war so eine typische Karteileiche. Nach dem Umzug in den Westen ging ich hier in den Religionsunterricht in der Schule. Glücklicherweise hatten wir einen sehr aufgeklärten Lehrer der uns in Reli hauptsächlich mit den Fakten zur Bibel oder mit Diskussionen zu diversen ethische Themen. Außerdem stellte er uns ein Verfahren zur Gewinnung von moralischen Bewertungen vorich glaube es war von Jacobs. Leider scheiterte ich in der Kursarbeit an dem Schritt das christliche Menschenbild miteinzubeziehen. Ich hatte schlicht keine Ahnung was das sein sollte. Meine versuche es aus der Bibel zu destillieren sind an der Widersprüchlichkeit selbiger gescheitert.

Einen Satz unseres Religionslehrers beginne ich gerade erst in seiner vollen Tragweite zu begreifen. Es ging um Wehrdienstverweigerung. Jemand fragte wie man denn eine Wehrdienstverweigerung möglichst wasserdicht mit Bibelzitaten belegen kann. Er wollte damit möglichst überzeugend seine "Gewissensnöte" darlegen. Unser Reli-Lehrer meinte nur, dass das nicht ginge, in solch einem Wettstreit würde der, der die meisten Bibelsprüche kennt, gewinnen.
Im Laufe der Zeit reduzierte sich Gott für mich dann auf ein allmächtiges Wesen, dass die Welt mit ihren Naturgesetzen zur Verfügung gestellt hat. Jesus war in diesem Weltbild schlicht nicht mehr existent. Ich hielt Glauben aber irgendwie für die Bildung einer Moral noch für notwwendig. Irgendwann in dieser Zeit legte ich meine Firmungspläne endgültig ad acta. Ich überlegte aus der Kirche auszutreten und mit meinem Hausmacherweltbild einfach so weiterzuleben. Sozusagen Glauben und Kirche zu trennen. Dieses Weltbild hielt nur, bis ich irgendwo eine schönes sprachliches Bild über Widersprüche bei allmächtigen Göttern gelesen hatte. Die Frage ob Gott einen Stein machen könne den er selbst nicht hochheben kann fand ich sehr spannend. Als ich dann auch noch auf Eutyphrons Dilemma stieß war sozusagen der letzte noch übrig gebliebene Grund für den Glauben obsolet geworden. Damit war Gott für mich gestorben.

Leider hatte ich bei der ganzen Sache vergessen, mich nach alternativen Lebensmodellen umzusehen. Durch meine christentumszentrierte Vergangenheit hatte ich alternative Lebensmodelle nicht kennengelernt. Nebenbei vielen mir Artikel zum Thema Willensfreiheit in die Hände und ich habe eine Weile gebraucht um diesen Schock zu verkraften, dass Menschen keinen freien Willen haben. Vor allem fragte ich wie man so etwas sinnvoll in ein Weltbild integriert. Mittlerweile ist mir das ziemlich gut gelungen. Vor allem biet et es eine ganze Menge hilfreicher Ansätze auch für mich selbst. Dieser Ansatz schützt vor Selbstverurteilung und sorgt dafür. dass man sich damit beschäftigt , wie muss ich meine Umgebung gestalten um mich anders verhalten zu können. Dieser Ansatz hat mir schon in vielen Krisensituationen geholfen. Anstatt an mir selbst zu verzweifeln habe ich einfach gefragt:Wie bzw. was muss ich in meiner Umgebung ändern damit es mir besser geht bzw. damit ich mich so verhalten kann wie ich das möchte. Die nächste für mich bahnbrechende Idee, mit der ich in Berührung kam, war der Hedonismus. Wenn ich nun im (überwiegend christlichen) Freundeskreis das Thema ansprach, wurde mir zuerst meistens Egoismus und materielle Raffgier vorgeworfen. Mir fiel auf das viele beim Thema Glücksmaximierung zuerst an die Maximierung materieller Gegenstände oder von Geld dachten. Außerdem viel mir weiterhin auf, dass viele bei Glücksmaximierung hauptsächlich an kurzfristiges maximales Glück dachen, was ich unter Egoismus subsummieren würde. Zum Thema Glück gibt es ein schönes Buch von Erich Fromm mit dem Titel "Haben oder Sein". Ich finde sein Kriterium für Glück ist sehr gut. Da man heutzutage eigentlich kaum noch etwas tun kann ohne etwas zu besitzen, ist es sinnvoll nur das zu besitzen was man benutzt bzw. überhaupt benutzen kann. Das heißt man sollte etwas nicht besitzen nur um es zu besitzen, um sagen zu können es gehört mir, aber der Gegenstand verstaubt irgendwo in der Mottenkiste. Ich finde dies ist ein sehr sinnvolles Kriterium, da es sehr differenziert ist. Es lehnt Besitz nicht völlig ab aber es propagiert auch nicht den Besitz von Dingen als Lebensinhalt. Nun möchte ich noch ein paar Worte zum Thema Glücksmaximierung verlieren. Wenn bei der Glücksmaximierung die kurzfristige Glücksmaximierung betrieben wird man seine Tage also lebt als wäre jeder Tag de letzte Tag dann ist der Vorwurf des Egoismus berechtigt, insbesondere aber denke ich, schaden sich die Leute auch selber, denn sich für kurzfristige Glückserlebnisse z.B. seine Gesundheit zu ruinieren oder Freundschaften zu riskieren. Bei der langfristigen Glücksmaximierung geht es darum, sozusagen über die Lebensspanne integriert möglichst viel Glück zu haben. Die Fläche kann man sowohl dadurch vergrößern indem man länger lebt als auch indem man das durchschnittliche Glück anhebt. Was ich damit sagen will ist, es kann durchaus sinnvoll sein etwas Ärger in Kauf zu nehmen um eine Freundschaft zu erhalten weil diese auch langfristig viel zum Glück beiträgt. Andersherum ist es aber auch klug eine Beziehung, welcher Art auch immer, wenn man mehr investiert als selbst für einen herauskommt(emotionale Abhängigkeit), ich denke es sollte möglichst ausgewogen sein. Übrigens ist es in einer Beziehung möglich, das für beide mehr herauskommt als sie investieren, weil die jeweilige Investition von beiden als geringer wahrgenommen wird als das, was für sie herauskommt. Ich würde es mal unter Synergieeffekte zusammenfassen, da jeder das einbringt was er besonders gut kann und ihn das damit meist auch wenig Mühe und Überwindung kostet, dem anderen erspart es allerdings im Gegenzug wiederum eine ganze Menge Mühe.
Ich hoffe damit auch die Frage, was mir Halt gibt, wenigstens teilweise, beantwortet zu haben.


Anonym, weiblich, 15
An Lena!
Mich persönlich würde interessieren, in welcher mit Sicherheit schwierigen Situation du deinen Glauben verloren hast. Was kann dir sehr Schlimmes wiederfahren sein, dass du nach deinem Theologiestudium deinen Glauben verloren hast? Ich wünsche dir, dass du in deinem weiteren Leben wiederfindest, vor allem, da dir der Glauben früher scheinbar sehr wichtig war.


Anonym, männlich, 16
Hallo erstmal,
Ich kenne das auch, da ich in frühere Jahren so mit 13 auch Messdiener war.
Meine Eltern haben mich auch jeden Sonntag mit in die Kirche geschleppt, gegen meinen eigentlichen Willen, da man in diesem Alter bessere Dinge zu tun hat.
Nach und nach habe ich das Intresse und den Glauben in die Kirche verloren. Auch durch den Schulunterricht, wo ich lernte welche Verbrechen die Kirche anstellte.
Irgedwann war es soweit das ich nur noch 3 mal im Jahr die Kirche besuchte.
Mir fehlte auch nichts wirklich im Leben.
An Gott glauben tue ich immer noch und habe es auch die ganze Zeit getan, doch die Kirche ist für mich nicht das was sie eigentlich sein sollte.
Ich akzeptiere, tolleriere Menschen die das nicht so sehen aber auch die die das so sehen und auch die, die einen ganz anderen Glauben ausleben.
Jedem sollte die Entscheidung selbst überlassen sein und niemand sollte durch die Eltern, die Erziehung in einen Glauben hineingeboren werden.
Somit glaube ich an Gott aber weniger an die Kirche.....(Glaube ist nicht alles aber ohne das ist alles nichts).


Helmut, 43
... weil ich in einer Situation war, wo ich Christen gebraucht hätte, um mit mir zu beten oder einfach nur zuzuhören, es war aber keiner aus meiner damaligen Gemeinde da. So habe ich den Kontakt zu Gott und auch zu "Christen" verloren.


Die Antwort von Werner Höbsch:

Guten Tag,
für Ihre Mail danke ich Ihnen. Ich bedauere, dass Sie schmerzhafte Erfahrungen mit der Kirchen bzw. Christen gemacht haben. Besonders das Gebet ist Aufgabe der Kirche. Menschen im Gebet zu tragen, gehört zum Wesentlichen des christlichen Lebens. Wenn da Kirche versagt, ist das schlimm.

Haben Sie seit der Zeit Ihrer Enttäuschung mit Gott abgeschlossen? Oder sind Sie auf der Suche? Und woher nehmen Sie heute Ihre Lebenskraft und Energie? Das würde mich interessieren.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Höbsch


Manfred Holtermann, 57
Zum Beitrag von LENA:
Liebe Lena,es gibt Gott, Du bist für ihn ganz wichtig, er hat dich bisher nicht verlassen und lässt Dich bald auch wieder erfahren, was und wie er ist: In 1 Joh 4,8.26 heisst es richtig:
"Gott ist die Liebe" - Gott liebt uns, er liebt Dich, er liebt mich, jeden einzelnen von uns ganz persönlich und um seiner selbst willen. Gott liebt Dich besonders jetzt in Deiner scheinbar verfahrenen Situation; und zwar ohne jede Vorbedingung und ohne jede Grenze.Ich wünsche Dir, dass Dich diese Botschaft der Liebe Gottes bald wieder erreicht.Manchmal geschíeht das wie ein Blitz; sofort erscheint alles in einem neuen Licht. Meistens ist es jedoch so - ich denke, auch in Deinem Fall - dass wir in diese Botschaft langsam wieder hineinwachsen.
Aus ´Deinen Worten entnehme ich, dass auch Du die tiefe Sehnsucht aller Menschen teilst, geliebt zu werden, bedingungslos bejaht und angenommen zu werden. Die Welt, die Du im Augenblick erlebst, scheint verworren und sinnlos zu sein, Du fühlst Dich heimatlos (wo ist der Vater, der gute Hirt?) Hinter dieser Situation steht sicher bei Dir die Frage vieler Menschen: Bin ich für jemanden wichtig? Denn nur dadurch wird Dein Leben einen Sinn bekommen. Dein ganzes Leben und Streben, diesem Leben einen Sinn zu geben, ist letztlich ein einziger Schrei nach LIEBE.
Bald sagt jemand wieder zu Dir: Du bist für mich wichtig! Ich will, dass Du´wieder lebst! Mit ewiger Liebe habe ich Dich geliebt! Gott ist es, der JA zu Dir sagt- zu Deinem Dasein und dazu, wie Du bist. Er sagt: Ich habe Dich gewollt, von Anfang an. Ich will auch weiterhin Dein Leben tragen, Deine Einsamkeit ausfüllen. Allem, was Du tust, gebe ich ein Ziel und einen Sinn.
NIEMALS werde ich Dich verlassen, denn Du fällst niemmals aus meiner Liebe heraus, ganz gleich, was geschieht oder was Du anstellst. Meine Liebe brauchst Du nicht durch Leistungen erwerben oder verdienen. Ich liebe Dich um Deiner selbst willen. Du brauchst nur an meine Liebe glauben und sie annehmen.
Der das zu Dir, liebe Lena sagt, ist nicht irgendwer- es ist jener, der alles trägt und ins Dasein gerufen hat - es ist er, den wir Gott nennen. Nichts, aber auch gar nichts in Deinem Leben und im Tod kann Dich von der Liebe Gottes trennen.

Ich bete zum Herrn, dass Du bald wieder die Erfahrung seiner Liebe machen wirst und wünsche Dir recht viel Freude und Zuversicht!
Manfred


Lena
Ich habe ihn verloren, weil er da, wo ich ihn besonders gebraucht hätte, nicht da war, obwohl ich fest geglaubt habe, ich hätte sein Versprechen. Diese Enttäuschung tut sehr weh, denn mein Leben war immer ein Leben mit Gott. Ich habe immer an den gütigen Gott geglaubt, aber jetzt spüre ich ihn nicht mehr. Wo ist der gute Hirte, der Vater? Da hilft es mir auch nicht mehr, dass ich mal Theologie studiert habe.
Sollte es ihn doch geben und ich ihm wichtig sein, findet er mich ja vielleicht einmal wieder.


Anonymus, männlich, 41
Ich habe Gott verloren, aber ich glaube, Gott wiedergefunden zu haben. Mehr als ein Vierteljahrhundert habe ich mich vom Gott gewendet, vertraute meinem Verstand und meinem Selbstbewusstsein, bin aus der Kirche ausgetretten, aber dann, als wäre das eine unabwendbare Weiterentwicklung, fühlte ich immer stärker, dass ich Gott brauche, denn mein Leben hat mir keine Erfüllung mehr gegeben. All die irdischen Reize und Güter machen zweifelslos viel Spass, und ich möchte nicht auf sie verzichten, aber das ist zu wenig um wirklich das Leben als lebenswert zu empfinden. Es entstand eine undefinierte Leere, die mir keine Ruhe mehr gegeben hat.
Ich bin erst auf dem Weg, Gott wieder zu finden, und ich hoffe, Er verzeiht mir mein Übermut an Ihn gezweifelt zu haben, und gibt mir die Kraft, mein weiteres Leben bewusster und Im Glaube zu leben.

 

Karsten, 41
... als ich keine Menschen mehr hatte, die mit mir geglaubt haben, als mir Liturgie langweilig wurde, als mir Leute vorschreiben wollten, wie ich zu leben hätte, die vom richtigen Leben, vom wirklichen, vom dem Kampf um die Existenz ... einfach keine Ahnung haben.

Verloren ist auch das richtige Wort, verloren wie einen Schlüssel: man steht vor einer Tür, vielleicht vor der eigenen und hat keinen Schlüssel mehr. Weg. Ohne dass man es gemerkt hat. Denn eigentlich war die Tür immer offen, angelehnt, den Schlüssel habe ich gar nicht gebraucht. Weil ich schon eine ganze Weile nicht mehr an der Tür war, hatte ich keine Ahnung, dass sie zugefallen war. So wie ich auch nicht bemerkt hatte, dass ich den Schlüssel verloren hatte.