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Einstimmung zur Domwallfahrt

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Grußwort zur Domwallfahrt 2012

 
„Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5)

 
Liebe Schwestern und Brüder,

 

„Doch alle Lust will Ewigkeit -,

- will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

 

Geradezu verzweifelt klingt diese Erkenntnis im Mund von Friedrich Nietzsche; findet dieser doch für die Ewigkeit, die er so heiß ersehnt, keinen Platz in seiner fundamentalen Kritik an Religion und Metaphysik. Aber auch aus unserem ganz alltäglichen Leben kennen wir das traurige, beklommene Gefühl, wenn etwas Schönes zu Ende geht. Je rauschender ein Fest, desto ernüchternder der Tag danach, desto bedrückender die Katerstimmung. Im Erzbistum Köln denkt man unwillkürlich an das berühmte Lied von Jupp Schmitz: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“

 

Auch in dem kleinen Örtchen Kana in Galiläa droht ein rasches Ende des Hochzeitsfestes, bei dem Jesus, seine Mutter und seine Jünger zu Gast sind. Maria scheint das Brautpaar näher zu kennen, ist vielleicht sogar an der Ausrichtung des Hochzeitsfestes beteiligt. Jedenfalls hat sie den Überblick und sagt ihrem Sohn: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Kein Wein mehr – das bedeutet das Ende des Feierns. Jesu Antwort allerdings verstört die Theologen aller Zeiten: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Eine letzte Sicherheit, was der Herr mit diesen Worten sagen will, gibt es bis heute nicht. Seine Anrede an die Mutter ist zwar nicht respektlos oder gar herabsetzend, wohl aber distanziert.

 

Umso bemerkenswerter fällt Marias Reaktion aus: „Was er euch sagt, das tut!“ Ob sie einfach darauf setzt, dass ihr Sohn die Situation schon irgendwie retten wird, oder sogar konkret auf ein Wunder hofft: Jedenfalls bringen ihre Worte ein unbegrenztes Vertrauen zum Ausdruck. Was genau Jesus tun wird (oder gar soll), lässt die Gottesmutter offen; sie fordert nur die Bereitschaft ein, ihm zu folgen. Und so kommt es zu dem großen Wunder, dem ersten, von dem das Johannesevangelium berichtet: Wasser wird zu Wein.

 

Solche Machttaten nennt der Evangelist bevorzugt „Zeichen“. Natürlich ist es schön, dass die Gäste wieder etwas zu trinken haben, dass die Festesfreude andauern kann. Aber als Zeichen weist das Geschehen auf etwas Größeres, Tiefgründigeres hin. Die Fülle des Weins, „der das Herz des Menschen erfreut“ (Psalm 104,15), ist Merkmal des messianischen Gottesreiches. Zwar schenkt niemand anderer als Christus den guten Wein, der in diesem Sinne bis zu seiner Ankunft zurückgehalten wurde; niemand anderer bringt uns das Königtum Gottes.

 

Aber Maria spielt dabei ihre Rolle. Indem sie sich Gottes Anruf öffnet und uns an ihren Sohn verweist, wirkt sie mit an Gottes Heilswerk. Darum dürfen wir die jungfräuliche Gottesmutter als „die würdige und gottgefällige Mittlerin zum Mittler“ bekennen (Leo XIII., Enzyklika Fidentem piumque, 1896), darum können wir sie mit dem heiligen Bernhard von Clairvaux im Leib Christi, der Kirche, als den Hals verstehen, „der den Leib mit dem Haupte verbindet und seinerseits Leben und Kraft von dem Haupte weitergibt“ (Pius X., Enzyklika Ad diem illum, 1904)

 

Weil Christus uns den guten Wein schenkt und das Königtum Gottes auf Erden ein für allemal grundlegt, weil Maria uns dazu ermuntert, vertrauensvoll dem Wort und der Weisung ihres Sohnes zu folgen, darum ist das Fest nicht zu Ende, sondern hat erst begonnen, mehr noch: Darum wird es niemals enden. Wir haben noch unvergleichlich viel mehr vor uns als hinter uns: tiefe, tiefe Ewigkeit!

 

Allen Domwallfahrern sende ich meine herzlichen Grüße und bischöflichen Segenswünsche

Ihr

 

Joachim Kardinal Meisner

 

 

Materialien zum Download:

 

 

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